Schon als Jugendliche hat mich die Geschichte der sokratischen Mäeutik (Hebammenkunst) fasziniert. Über Sokrates wird erzählt, dass er einen ungebildeten jungen Mann von der Straße so befragt hat, dass dieser durch die ihm gestellten Fragen den pytagoräischen Lehrsatz ableiten/“gebären“ konnte, ohne ihn jemals gekannt zu haben.

Solche Fragen, die zu einer anderen Sichtweise des Problems und zur Entwicklung von neuen Perspektiven, (Lösungs-)Ideen und daraus folgenden Handlungsstrategien verhelfen können, stehen im Zentrum meiner Arbeit.
Oft können diese neuen Wege im Leben erst Konturen bekommen, wenn das Schwierige und Ratlose, aber auch die Hoffnung und Sehnsucht ausgedrückt werden dürfen. Fragen, die noch nicht gestellt worden sind, können Antworten auf den Weg bringen.


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„...... und ich möchte Sie, so gut ich kann, bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen die Fragen selbst lieb zu haben, wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie sich dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“


Rainer Maria Rilke (1921): Briefe an einen jungen Dichter